Die Zeiten ändern sich und immer mehr und mehr wird virtuell. Hatte man früher noch ein Poesiealbum, in dem sich Freunde und Mitschüler verewigten, gibt es heute Facebook. Im Grunde hat die Site dort ja auch ihren Ursprung: An amerikanischen Colleges gibt es gedruckte Facebooks - daher auch der Name - in denen sich die Studenten vorstellen. Bei uns gibt's etwas Ähnliches z.B. als Abiturzeitung.

Der Vorteil der Virtualität hat aber auch einen Nachteil: Man kann nichts anfassen und ohne Computer geht gar nix... Da lobt sich die ältere Generation doch ihre Poesiealben und schwelgt ohne Strom und bei Kerzenlicht in Erinnerungen beim Blättern in besagten Büchlein. Vielleicht um auch der jüngeren Generation dieses stromfreie Vergnügen wieder zuteil werden zu lassen, hat Laura Balboa aus Mexiko das "Feisbuk®" entworfen. Auf Basis des Facebook-Layouts entstand ein Album, in das "mit Hand" Texte geschrieben und Fotos eingeklebt werden können. Was für eine verrückte Idee... Alles ohne Computer.



Die so gesammelten Informationen sind jederzeit offline abrufbar und nicht ans Internet gebunden. Auch dürften die Daten hier besser geschützt sein als im weltweit zugänglichen Netz. Ganz davon abgesehen, dass auch in vielen, vielen Jahren alles in diesem Büchlein noch so aussehen wird, wie es mal eingetragen wurde. Die Seiten vielleicht etwas vergilbter, die Fotos etwas blasser, aber alles gefüllt mit Erinnerungen an dann vergangene Tage - auch an das Schreiben und Kleben ins Feisbuk®.



Laura will mit Feisbuk® aber vor allem den direkten Kontakt und das persönliche Miteinander stärken: Das Web2.0 ist zwar eine feine Sache, wenn es um den schnellen Austausch von Daten geht, doch diese Informationen sind nur ein Teil einer Person und ihrer Gewohnheiten. Es ist kaum möglich, jemanden übers Netz richtig kennen zu lernen. Wichtig ist vor allem, miteinander zu sprechen, sich zu treffen - der persönliche Austausch. Und das ist mit dem Album zum Anfassen einfacher als mit einer Anwendung im Web und macht zudem auch noch Spaß. Eine Zeichnung oder etwas Handgeschriebenes sagt viel mehr als nur ein Username...

Eigentlich war das Feisbuk® erstmal nur ein Konzept, doch schon bald wird es zu kaufen sein: Ein entsprechendes Notizbuch ist in Vorbereitung.

Laura Balboa

Laura Balboa ist als Designerin in Mexiko-Stadt tätig. Ihr Arbeitsbereich ist weit gefächtert: Grafik und Design, Illustration und Malerei, Installation und Produktgestaltung. Bekannt ist sie auch unter den Kürzeln jjjolll und lll•lll.

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Artikel von Klaus Schlichter
© .designervolk | Fotos: Laura Balboa


Kommentare

natalie
10. März 2010, 14:52 Uhr
lieber klaus, wo bekomme ich das buch? ist ja echt eine tolle "erfindung", die ich unbedingt haben möchte! back to the roots!