Oh! Unerwarteter Besuch: Eine geheimnisvolle Frau in Rot mit kantigem Äußeren wartet im Dunkeln auf ihre Befreiung... Lange muss sie nicht auf Rettung warten, denn schnell wird sie aus der Finsternis des Briefkasten gezogen. Und sie ist nicht alleine: Die Dame ziert eindrucksvoll das Cover des neuen Design-Magazins "GRID - Zeitschrift für Gestaltung" - im Gepäck hat sie weitere 115 Seiten voll Kreativität. Die aus vielen Dreiecken gestaltete Titel-Illustration von Jonathan Puckey zeigt übrigens die junge Grafik-Designerin Jessica Walsh, der man im Heft dann auch unvektorisiert in Form eines Interviews wieder begegnet... Das Cover liegt dem Magazin zusätzlich auch noch als Plakat bei - durchaus aufhängewürdig. Also das Poster - und nur im positiven Sinn!



Bei "GRID" denkt man natürlich sofort an "Raster" - Gestaltungsraster, die sich in allen möglichen grafischen Disziplinen finden lassen. Tatsächlich hat "GRID" auch ein bis in die Haarspitzen durchdachtes und zudem flexibles Gestaltungsraster, auf dem die verschiedensten Seitenlayouts basieren: Zweispaltig, dreispaltig - mit gleicher und unterschiedlicher Spaltenbreite, große Fotos, kleine Fotos, ganzseitige Titel, ... Es macht Spaß zu sehen, wie abwechslungsreich ein Raster genutzt werden kann. Immer wieder entdeckt man neue Ideen, die hier fast unauffällig aber doch mit viel Rafinesse umgesetzt wurden. Noch erstaunlicher, dass in diesem Absatz hier ja noch nicht mal vom Inhalt gesprochen wird, sondern "nur" über das Gestaltungsraster... Es fängt also schon mal gut an. Entwickelt wurde das Basislayout übrigens von Mario Lombardo und seinem Team.



Wer durch die unauffällige Zeile "Graphic + Industrial Design" auf dem Titel noch nicht erleuchtet wurde, findet im Editoral dann auch die eigentlich Erklärung zu "GRID": Das Magazin beschäftigt sich mit GRafik- und Industrie-Design, wobei aber auch Ausflüge in andere Design-Kategorien erlaubt sind, was schon an den ersten Artikeln deutlich wird...

Aber nun ein Blick ins Innere: Wie bei .designervolk gibt es auch bei "GRID" Fundstücke. Dort heißen sie "Found Objects" - kurze Artikel kreuz und quer durch die Gestalterlandschaft: Fotografie, Möbeldesign, Uni-Projekte, ... allesamt mit zusätzlicher Angabe von Webadressen, wenn man sich dem Thema denn genauer widmen will... Ähnlich aufgebaut sind die "Brand News" - Aktuelles aus der Welt der Marken. Etwas länger sind die Szenenews angelegt und dann geht's auch schon los mit dem großen Thema des Abends Magazins: "START". Mehrseitige Interviews mit unterschiedlichsten kreativen Köpfen, ausführliche Berichte mit zahlreichen Fotos - und alles wie gesagt verpackt in einem abwechslungsreiches Layout... Zum Ausklang folgen unter anderem schließlich noch Buchbesprechungen und ein Veranstaltungskalender. Je nach Lust, Zeit und Laune bieten sich also lange und kurze Artikel an, die gelesen werden wollen.

Gerade bei den "News" zeigt sich dann aber der "Nachteil" eines Print-Produkts: Die "Neuigkeiten" sind nicht mehr ganz so aktuell, man konnte teilweise schon vorher mehr im Internet darüber lesen (beispielsweise über das neue ebay-Logo oder den YPS-Relaunch). Sicher waren die News zum Zeitpunkt der Druckabgabe noch brandheiß, doch bis zur Veröffentlichung vergeht dann eben doch einige Zeit... Für entspannte Zeitschriftenarchivare sicher keine große Sache, für Newshopper aber vielleicht nicht ganz so ideal. Ob's nun stört, muss jeder Leser für sich selbst entscheiden.



Chefredakteur der "GRID" ist Gerrit Terstiege. Für viele sicher kein Unbekannter, war er doch 15 Jahre bei der Zeitschrift "form", die letzten sechs Jahre davon ihr Chefredakteur. Auch als Autor der Bücher "Grafische Räume", "The Making of Design" und "Gestaltung denken" (zusammen mit Thomas Edelmann) hat er sich dem Thema Design gewidmet, außerdem ist er als Lehrbeauftragter an der Hochschule für Gestaltung und Kunst Basel tätig.

Das sogenannte "Advisory Board", ein Beraterkreis von acht weiteren Designgrößen, unterstützt die GRID-Macher. Darunter u.a. Erik Spiekermann, der in der Erstausgabe über seine Erfahrungen beim Start von neuen Firmen, Agenturen und Konferenzen berichtet. Wie genau diese Berater in Aktion treten und was genau sie dabei machen, wird sich wohl im weiteren Dasein der "GRID" zeigen. Auffallend ist, dass im Heft doch recht viele Namen genannt werden: Wer macht dies, wer macht das... Das ist einerseits löblich, andererseits wurde hoffentlich niemand vergessen...

Ganz wichtig: Wer hat den Kaffee gekocht!? ;-) Die "GRID" ist zweisprachig aufgebaut. Jeder Artikel ist sowohl in Deutsch als auch in Englisch betextet. Schriftarten mit und ohne Serifen leiten hierbei durch die verschiedenen Sprachversionen. Während die Fließtexte inhaltlich eigentlich gleich sind, weichen die Headlines in den verschiedenen Sprachen jedoch mitunter schon stark voneinander ab und müssen eigentlich zusammen wahrgenommen werden: "Sagmeister ist jetzt eine Frau - Introducing: Jessica Walsh" oder auch "Der Vordenker - Goodbye, Bill Moggridge". Das wirkt anfangs etwas irritierend, man gewöhnt sich aber schnell daran. Zudem lädt es dazu ein, den Fließtext in beiden Sprachen (an) zu lesen - um vielleicht doch auch hier Abweichungen zwischen den Versionen zu finden.



Das Heftformat 23x29,8cm kennt man auch schon von anderen Design-Zeitschriften. Der Umschlag ist glänzend folienkaschiert, im Innern kommt kräftiges, mattes Papier zum Einsatz. Ein klassisches Softcover-Magazin, qualitativ hochwertig, in tadellosem Druck. Ab sofort ist die "GRID" im gut sortierten Fach- und Bahnhofsbuchhandel erhältlich, sie erscheint sechs Mal im Jahr. Man kann die Zeitschrift aber natürlich auch online bestellen. Der Einzelpreis liegt bei kräftigen 15,50 EUR, dafür hält sich der Werbeanteil in Grenzen.

Die "GRID" bietet Designhungrigen abwechslungsreiches Lesefutter, wohlportioniert vom kleinen Newshäppchen bis hin zum großen Interview-Schmaus :-) Im Dezember geht's in Ausgabe 2 dann um das Schwerpunktthema "Farbe im Design".

Redaktion
Kirchstraße 48
79100 Freiburg im Breisgau

Herausgeber
Institut für internationale Architektur-Dokumentation
GmbH & Co. KG
Hackerbrücke 6
80335 München

www.grid-magazin.de

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Informationen zur Rezension


Review von Klaus Schlichter
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